Praktikertag für die Gelbbauchunke in Neuburg-Schrobenhausen

Praktikertag für die Gelbbauchunke in Neuburg-Schrobenhausen

Am 7. April 2017 fand der erste Praktikertag im Rahmen unseres Projektes „Allen Unkenrufen zum Trotz“ statt. Pünktlich um 10 Uhr hatten sich etwa 20 Unkenfreunde und solche, die es werden wollen im Großen Sitzungssaal im Neuburger Landratsamt versammelt. Neben dem amtlichen und dem Verbandsnaturschutz waren auch jeweils ein Vertreter vom AELF Pfaffenhofen, von den Bundesforsten und vom Abbauunternehmen Hoffmann gekommen, um sich über die Gelbbauchunke zu informieren. Die akademische Viertelstunde wurde vorbildlich eingehalten, da die Trägergemeinschaft noch einen kreativen Beschluss fassen musste, aber dann konnte das Programm wie geplant starten. Nach einer Begrüßung durch Siegfried Geißler, der als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde von Neuburg-Schrobenhausen der Gastgeber war, stellte Dr. Miriam Hansbauer das Projekt vor. Karlheinz Schaile berichtete im Anschluss lebhaft von den Schutzaktivitäten im Landkreis Neuburg, die sich über die Jahre sehr positiv auf den Bestand der Gelbbauchunke ausgewirkt haben. Nach einer stärkenden Brotzeit ging es dann mit zwei Kleinbussen und drei Autos ins Gelände.

Die erste Station war eine alte Donaurinne. Heinz Schaile und Sigi Geißler führten die Exkursionsteilnehmer durch den Donau-Auwald und zeigten ihnen das natürliche Habitat der Gelbbauchunke: stehendes, flaches Wasser in der alten Rinne. Für die Unke selbst war es zwar an dieser Stelle noch zu kühl, aber ein adulter Springfrosch wurde gekäschert und in einer Wegpfütze wuselten bereits seine Larven. Auf der Wanderung durch den blühenden Auwald begannen die Teilnehmer, die aus vier der sechs Projektlandkreise gekommen waren, sich angeregt über ihre Erfahrungen im Amphibienschutz auszutauschen. Auch Pläne für die künftige Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes wurden geschmiedet. Der Spaziergang führte teilweise am Rand des Waldes entlang über die Wiesen der Auen. Diese Flächen waren 2016 durch ein Donauhochwasser flach überstaut worden und boten damals den Gelbbauchunken unglaubliche Möglichkeiten zu reproduzieren. Solche Flächen sind heutzutage leider rar, wären sie doch ein natürlicher und kostengünstiger Hochwasserschutz für das Hinterland.

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Danach geht es zu einem benachbarten Kiesweiher, an dessen Ufer heute ein neues Gelbbauchunken-Biotop angelegt wird. Der Baggerfahrer ist pünktlich zur Stelle, um den Unkenschützern zu demonstrieren, wie einfach es möglich ist, Tümpel zu schaffen, die Laichmöglichkeiten für Gelbbauchunken bieten. Das erste Loch wird am Rand des offenen Geländes in Gehölznähe angelegt, damit die Unken gleich passenden Landlebensraum im Anschluss finden. Auf Anweisungen von Herrn Schaile beginnt der Baggerfahrer mit dem ersten Loch, vier weitere werden folgen. Aber so lange kann die Exkursion nicht warten, denn es stehen noch mehr Stationen auf dem Programm.

Die Route führt nun über die Donau nach Norden bis zu dem kleinen Ort Mauern, in dessen Nachbarschaft ein verlassener Steinbruch liegt. Seine ideal nach Süden exponierte Lage lässt die Amphibienschützer hoffen – und tatsächlich werden sie nicht enttäuscht: neben zwei Bergmolchen tummeln sich gleich zehn Gelbbauchunken in einer von Heinz Schaile angelegten Wasserlachen. Es entstehen angeregte Gespräche unter den Exkursionsteilnehmern über Form, Größe und Lautäußerungen der Gelbbauchunken. Was das Glück der Gelbbauchunke ist, ist leider das Pech des Springfrosches: Die Quaulquappen, die kürzlich aus dem Laich geschlüpft sind, der im März bereits in einer benachbarten inzwischen fast ausgetrocknete Pfütze abgelegt wurden, sind gerade am Vertrocknen. Ein paar der engagierten Exkursionsteilnehmer starten deshalb eine Rettungsaktion.

Die letzte Station der abwechslungsreichen und informativen Exkursion im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist das FFH-Gebiet bei Attenfeld. Dieses Natura2000-Gebiet wurde extra für den Kammmolch und die Gelbbauchunke ausgewiesen und es wurden drei Folientümpel angelegt, um den Tieren entsprechendes Habitat zu bieten. Auch hier werden die Amphibieninteressierten belohnt: ein Teichmolch und eine Gelbbauchunke zeigen sich und sogar ein Kammmolch lässt sich aufstöbern. Mit seinem namensgebenden Kamm sieht er wirklich wie ein „Drache der Unterwasserwelt“ aus. Ein Stückchen weiter befinden sich noch ein paar ehemalige Fischteiche; hier sollen noch dieses Jahr Maßnahmen stattfinden, um die Vegetation zu reduzieren, damit der Lebensraum für Gelbbauchunke und Co. erhalten bleibt.

Zurück am Landratsamt Neuburg ist sich die Gruppe einig: es war ein gelungener erster Unken-Tag, bei dem gut organisiert viele Informationen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft wurden.
Wir hoffen, dieser Austausch wird noch intensiver und wir können in den nächsten Jahren gemeinsam – und allen Unkenrufen zum Trotz! – für die Gelbbauchunke und andere heimische Amphibien etwas bewegen.

Text und Fotos: Dr. Miriam Hansbauer