Ehrenamtler-Schulung für die Unke in Scheyern (Landkreis Pfaffenhofen)

Ehrenamtler-Schulung für die Unke in Scheyern (Landkreis Pfaffenhofen)

Arno Jaeger, der im Rahmen des Projektes seine Masterarbeit an der TU München über die Ausbreitungsmuster und -wahrscheinlichkeiten der Gelbbauchunke geschrieben hatte, erzählte in einem detaillierten Vortrag über seine Kartierungen im Landkreis Neuburg und seine Ergebnisse, die er mit hohem wissenschaftlichen Einsatz gewonnen hatte. Eines seiner vielen Erkenntnisse war für die anwesenden Ehrenamtler besonders interessant: vor allem in den künstlich angelegten und gut betreuten Gewässern kam die Unke besonders häufig vor und reproduzierte auch gut.
Weiterer Forschungsbedarf besteht vor allem bei der Frage, welchen Einfluss Umweltfaktoren – insbesondere Landnutzung, Pestizide oder Mirko-Relief – auf das Wanderverhalten von Amphibien haben und wie man am besten damit umgehen kann.

Im Anschluss ging es ins Gelände. Die Exkursionsteilnehmer kamen überwiegend aus den Landkreisen Pfaffenhofen, Freising und Erding, aber auch aus dem benachbarten Kelheim, um sich über die Gelbbauchunke zu informieren. Interessierte Laien waren ebenso vertreten wie Mitarbeiter vom Forst und seit Langem aktive Amphibienschützer. Sogar aus dem Landkreis Cham war eine Gebietsbetreuerin angereist.

Angela Grau, die vorab mit großem organisatorischen Aufwand, Wasser anfahren hatte lassen, führte die Gruppe zu den einzigen Unken, die sich in der trockenen Gegend momentan zeigten. In den kleinen, nun mit Wasser gefüllten Tümpeln bei der Knorrgrube hatten sich binnen zwei Tagen fünf Unken eingefunden. Angela Grau erzählte aus ihren eigenen Erfahrungen, auf was es besonders zu achten galt, um den richtigen Lebensraum der Unke zu identifizieren und um Unken dann auch zu entdecken: Im Gegensatz zu vielen anderen Amphibienarten kann man Unken gut tagsüber beobachten, sogar besonders gut bei Sonnenschein und hohen Temperaturen. Erwachsene Unken vertrauen auf ihre perfekte Tarnfarbe auf der Oberseite, und sie halten für den Notfall einen ganzen Giftcocktail bereit, der einem Fressfeind den Appetit gründlich verderben würde. Deshalb können sie sich auch tagsüber in kleinen Gewässern aufhalten.
Weiter lernten die Exkursionsteilnehmer, dass die Unke eine Pionierart ist, die Laichgewässer braucht, die gelegentlich austrocknen, damit sich keine Fressfeinde von Laich und Kaulquappen ansiedeln können. Die Wanderung führte auch vorbei an etlichen– potenziellen – Unkengewässern: an einer Kiesgrube, teilweise besonnte Fahrspuren im Wald, Wiesenseigen, wegbegleitende Gräben, Pfützen auf dem Weg, Wildschweinsuhlen und Biberrinnen. Leider waren diese fast alle ausgetrocknet. Aber Unken können warten. Wenn es dann endlich regnet, finden sich Männchen und Weibchen schnell am neu entstandenen Gewässer ein.

Auch die Tümpel und flachen Seigen, die speziell für die Kreuzkröte und Wechselkröten angelegt worden waren, waren staubtrocken. An solche Variationen sind Amphibien grundsätzlich angepasst, aber nachdem die Bestände schon sehr reduziert sind und vom Menschen weiter Einschränkung erfahren, können sich derartige Klimaveränderungen unter Umständen schwerwiegend auf die Populationen auswirken.

An die Teilnehmer wurde ein Kartierbogen ausgeteilt, anhand dessen sich jeder bei seiner eigenen Unken-Suche in Zukunft orientieren kann. Das Projekt hofft natürlich auf möglichst viele detaillierte Rückmeldungen von beobachteten Unken.

Den Kartierbogen können Sie hier herunterladen.

Der Spaziergang führte dann entlang des Purrbachs bei Jetzendorf, den der Biber in ein strukturreiches Bachtal verwandelt hatte. Professor Volker Zahner von der Forstfakultät der Hochschule Weihenstephan erzählte den Exkursionsteilnehmern, dass in vom Biber geschaffenen Gewässern schon alle einheimischen Amphibienarten - mit Ausnahme der Knoblauchkröte - nachgewiesen werden konnten. Der Biber schafft Strukturvielfalt aus Wasser, Inseln, Totholz und neu austreibenden Pflanzen, und somit Lebensraum für viele Arten, z.B. für Insekten. Diese wiederum sind Nahrungsgrundlage nicht nur für Amphibien, sondern auch für Vögel und Fledermäuse.

Die Gruppe konnte auf der Exkursion tatsächlich nicht nur Unken sehen, sondern auch den Schwarzspecht und den Halsbandschnäpper hören, einen Eisvogel beobachten und als weiteres Highlight zeigte sich eine männliche Zauneidechse.

Jetzt muss es nur noch regnen, dann wollen sich die neu gewonnenen und alt eingesessenen Unkenschützer sofort auf ins Gelände machen, um bekannte Unkenbestände in den Projektlandkreisen zu überprüfen und hoffentlich neue zu finden.

Bericht und Fotos: Dr. Miriam Hansbauer