Naturfilmer Jan Haft ist neuer „Unkenbotschafter“

Naturfilmer Jan Haft ist neuer „Unkenbotschafter“

Unkenbotschafter setzen sich in unserem Projekt in besonderer Weise für die stark gefährdete Gelbbauchunke ein. Gelbbauchunken sind kleine, krötenähnliche Froschlurche, schlammfarben und unscheinbar von oben, aber mit leuchtend gelben Flecken auf der Unterseite. Dies hatte Jan Haft schon sehr anschaulich überprüft, als er, mit einer Taucherbrille ausgestattet, den Kopf vor laufender Kamera in eine Pfütze steckte (den Filmclip dazu sieht man hier).

Wir vom Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“ haben uns mit ihm und seiner Frau Melanie Haft getroffen. Beide setzen sich für den Naturschutz in ihrer Heimat ein. Judith Jabs-Ingenhaag (JJ), Projektmanagerin & Dirk Alfermann (DA), Projektmitarbeiter, stellten die Fragen.

Urviech par excellence

Judith Jabs-Ingenhaag (JJ): Jan, was gefällt Dir besonders an der Unke?

Jan Haft (JH): Die Gelbbauchunke finde ich phänomenal, weil sie ein Vertreter der ältesten Amphibiengruppe ist, die wir auf der Erde haben – sie existierte schon zu Zeiten der Saurier! Bei uns in Mitteleuropa gab es die Unke schon lange, bevor die Menschen hier auftauchten. Wir haben hier also wirklich ein Urviech par excellence bei uns, das mindestens zwei Millionen Jahre überdauert hat. Und jetzt sollen wir innerhalb weniger Jahrzehnte die Unke an den Rand des Aussterbens bringen? Das darf, finde ich, nicht sein.

Die Gelbbauchunke gilt als „Verantwortungsart Deutschlands“, da ein großer Teil der Weltpopulation der „Bombina variegata“ hierzulande vorkommt. Eben aus diesem Grund wird das Projekt mit 670.000 Euro an Bundesmitteln über fünf Jahre gefördert.

„Man muss gar nichts aussterben lassen“

DA: Neulich sagte jemand, es sei doch sinnlos, die Unke „künstlich“ bei uns erhalten zu wollen. Wenn die Lebensbedingungen nun mal so sind, dass die Tiere nicht mehr hier leben können, also wenn man z. B. Gewässer anlegen und zum Teil sogar Wasser nachfüllen muss, mache das keinen Sinn.

JH: Das finde ich überhaupt nicht. Ich halte nichts von der gelegentlich formulierten Äußerung, man solle Tiere in Würde aussterben lassen. Man muss gar nichts aussterben lassen. Dem Globus ist es vielleicht egal, er holt sich sicherlich alles wieder, wenn die schwierigen Zeiten auf der Erde vorbei sind, aber ich finde, es ist einfach für uns schade! Der Fokus muss natürlich erstmal darauf liegen, dass man natürliche Habitate erhält oder habitaterzeugende Maßnahmen fördert, damit die Gelbbauchunke als selbstverständliches Beiwerk von anderen Prozessen weiter existieren kann. Wichtig wären mehr große Tiere in der Landschaft und mehr wilde, dynamische Flussauen. Aber wenn es bei der Gelbbauchunke darum geht, dass man sie mit stützenden Maßnahmen – und beinhalten sie auch Beton und Folie (für den Gewässerbau, Anmerkung der Red.), oder Wassertransport – über die Runden bringt, wäre ich absolut dafür.

Das Projekt fördert verschiedene Maßnahmen wie Anlage und Optimierung von Laichgewässern für die Unke. Ziel ist es, neue Lebensräume zu schaffen, Biotope aufzubessern und zu vernetzen, um den Austausch zwischen verschiedenen Unkenvorkommen wieder zu ermöglichen. Denn z. B. durch Trockenlegungen und Straßenbauten sind die Laichgewässer immer weniger geworden, und in der Folge auch die Tiere.

Zauberhafte Miniatur-Spielzeug-Unterwasserwelt

JJ: Hast Du eine Gemeinsamkeit mit der Gelbbauchunke?

JH: Ja, eine Vorliebe für warme Kleingewässer! Ich finde nämlich alles phänomenal, was in Pfützen lebt. Mir gefällt es, wenn manchmal das Wasser darin ganz klar ist, das ist dann so eine zauberhafte Miniatur-Spielzeug-Unterwasserwelt, wie ein Mikro-See, und in dem ist jede Menge los! Da gibt es z. B. kleine Raubwasserkäfer oder Wasserwanzen, die nur in solchen Lebensräumen zu finden sind. Und dann laicht da der Teichmolch ab, es kommen Vögel zum Baden und zum Trinken und vielleicht auch einmal ein größeres Tier. Also ich finde, eine Pfütze ist ein übersehener, kleiner Kosmos, und wenn man genau hinschaut, auch noch wunderschön.

In solchen kleinen Gewässern, Quelltümpel, Viehweiden, aber auch wassergefüllten Fahrspuren legt die Gelbbauchunke ihre Eier ab, denn ihre Fressfeinde sind viele. Nur, wenn sie noch unbewohnte Kleingewässer findet, hat ihr Nachwuchs eine Überlebenschance.

„Nicht-invasives“ Naturinteresse

DA: Wie bist Du auf die Idee gekommen, für Deinen Filmclip mit einer Taucherbrille in eine Pfütze zu tauchen?

JH: Ich hatte schon als Kind ein ganz starkes Naturinteresse. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass in meinen Amphibienbüchern die Gelbbauchunke immer auf den Rücken gelegt abgebildet wird, und drunter steht: „Die Warntracht der Gelbbauchunke – wenn sie angegriffen wird, wirft sie sich auf den Rücken“. Das wollte ich natürlich in natura beobachten, aber es hat sich nie eine auf den Rücken geworfen! Die haben sich nur mal durchgebogen und dabei die Händchen nach oben gedreht. Und da dachte ich, wenn man jetzt „nicht-invasiv“ hinterfragen will: „Hat die Gelbbauchunke wirklich einen gelben Bauch?“ dann muss man ja unter sie druntergucken, und das geht ja nur, wenn sie an der Oberfläche dümpelt und man dann, bewaffnet mit einer Taucherbrille, von unten hinschaut (schmunzelt). Und ich kann bestätigen: die Gelbbauchunke hatte einen gelben Bauch.

Ein Strom an Emotionen aus der Natur

JJ: Dank dieses Naturinteresses und Deiner Beobachtungsgabe produziert Ihr von Nautilusfilm ja wunderbare Filme. Was willst Du mit Deinen Filmen erreichen?

JH: Wenn man anfängt, Filme zu machen, denkt man „Jetzt rette ich die Welt“. Man macht einen Film, sagt, was einem wichtig ist, und hofft dass das etwas bewirkt. Irgendwann wird man dann ein bisschen ‒ wie soll man sagen ‒ zurückgeworfen in die Realität, denn man kann nicht allzu viel verändern. Aber man kann vielleicht dazu beitragen, dass so ein Strom an Informationen, an schönen Bildern, an Begeisterung, an Aufrütteln, einfach an Emotionen aus der Natur zu den Menschen kommt. Und als Feedback hört man durchaus immer wieder Leute sagen, dass sie dank der Tierfilme ein Naturinteresse entwickelt oder zumindest beibehalten haben.

Die Unkenbetreuenden im Projekt freuen sich jedes Jahr, wenn die Gelbbauchunken wieder auftauchen und wenn sie sehen, dass sie mit ihrem Engagement einen großen Beitrag leisten können. Das Projekt lebt von engagierten Menschen, die die Laichgewässer freiwillig erhalten und pflegen.

DA: Was würdest Du Dir vom Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“ wünschen?

JH: Ich würde mir wünschen, dass man auch beim Unkenschutz ‒ oder besser: beim Naturschutz im Wald ‒ stärker die potenzielle Rolle der großen Tiere bedenkt, die die Lebensräume, in denen Gelbbauchunken leben, in einem ganz hohen Maße selbst schaffen würden. Nämlich zum einen das Offenhalten von Lichtungen, damit Sonne auf den Boden kommt. Zum anderen würden solche großen Tiere in ihren Suhlen den Boden verdichten, so dass sich das Wasser halten kann. Das passiert überall da, wo es große Tiere wie Wasserbüffel gibt. Prinzipiell wäre es toll, auch im Sinne der Unke, wenn man Konzepte finden würde, die das künftig erlauben: integrierte Waldnutzung mit Holz und Jagd und Freizeit und extensiver Fleischproduktion.

Das Projekt beschäftigt sich auch mit Beweidungskonzepten und der Frage, wie sie am besten geeignet sind, die Unkenvorkommen zu unterstützen.

Wir danken für das Gespräch!

Jan Haft nahm seine neue Funktion als Unkenbotschafter sogleich sehr ernst. Bei einer kürzlich erfolgten Lesung seines Buches „Die Wiese“ in Burghausen (Landkreis Altötting) machte er intensiv auf das Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“ aufmerksam und warb um Unterstützung.

Wenn auch Sie sich für die Gelbbauchunke engagieren wollen, melden Sie sich gerne unter
0172/32 130 54 oder judith.jabs-ingenhaag@kreis-fs.de.