Unken-Praxis in Freising

Unken-Praxis in Freising

Im Rahmen des Projekts „Allen Unkenrufen zum Trotz“ trafen sich am Dienstagnachmittag, den 16. Mai 2017 knapp 20 Interessierte (Mitglieder des BUND, Studenten) zum ersten Unken-Praxistag im Landkreis Freising. Für das Projekt werden noch „Unkenpaten“ gesucht, die bereit sind selbst lokale Gelbbauchunken-Bestände zu fördern, indem bereits bestehende Unken-Biotope, d.h. Laichgewässer, gepflegt oder neue Biotope angelegt werden.
Zusammen mit dem Amphibienexperten und Unken-Schützer Wolfgang Gerlach und der Projektkoordinatorin Dr. Miriam Hansbauer wurde den Teilnehmern die Biologie, der bevorzugte Lebensraum und die Ansprüche an die Laichgewässer der mittlerweile auf der Roten Liste als „gefährdet“ eingestuften Gelbbauchunke (Bombina variegata) vorgestellt. Der Unkenbestand hat in den letzten Jahren stark abgenommen. Dies liegt vor allem an der zunehmenden Trockenlegung von Feuchtgebieten, sinkenden Grundwasserständen und Versiegelung bzw. Zerschneidung der Landschaft.

Unter der Führung von Herrn Gerlach unternahm die Gruppe eine Wanderung entlang von künstlich angelegten Biotopanlagen und natürlichen Laichgewässern der Gelbbauchunke nahe Figlsdorf bei Nandlstadt. Außerdem wurden einige Gelbbauchunken, die bei Herrn Gerlach überwintert haben wieder in die Freiheit entlassen.

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„Ein geeignetes Unken-Biotop herzustellen ist keine große Herausforderung“ betonte Wolfgang Gerlach, denn die Gelbbauchunke stellt keine besonderen Ansprüche an die Qualität ihrer Laichgewässer. Es ist jedoch äußerst wichtig, dass die Tümpel klein und im Besten Fall relativ frisch entstanden sind, denn dann sind sie arm an Vegetation. Das ist die Voraussetzungen dafür, dass die Zahl anderer Tümpelbewohner, wie Molche, Frösche, Libellen oder Fische, welche potentielle Fressfeinde für den Unkenlaich und die Kaulquappen darstellen, relativ gering ist. Außerdem ist es sehr wichtig, dass die Laichgewässer gut besonnt sind, denn je höher die Wassertemperatur ist, umso schneller entwickelt sich der Unkenlaich. Überdies sollte sich das Laichgewässer in der Nähe eines Waldes befinden. Dorthin wandern die Unken nach dem Ablaichen.

Um ein neues Unken-Biotop anzulegen ist nicht viel nötig: Ein Spaten und evtl. ein Freischneider. Den Tieren genügt bereits ein Tümpel mit den Maßen 70 x 70 cm, welcher in relativ kurzer Zeit mit einem Spaten gegraben werden kann. Sehr wichtig ist es allerdings, dass der Tümpel, zumindest in der Zeit in der sich der Unkenlaich entwickelt, nicht austrocknet.

Für den weiteren Unterhalt der angelegten oder bereits bestehenden Tümpel ist darauf zu achten, dass diese nicht von Vegetation überwuchert und somit beschattet werden. Dem kann durch jährliches Ausmähen entgegen gewirkt werden. Außerdem sollte in den Tümpel gefallenes Laub und Algen einmal im Jahr entfernt werden um keinen Lebensraum für Fressfeine der Gelbbauchunke zu schaffen.
Die Teilnehmer des ersten Unken-Praxistags im Landkreis Freising waren erstaunt darüber, dass selbst mit geringem Aufwand schon viel für die Unken getan werden kann. Die Teilnehmer tauschten Adressen aus und wollen sich schon bald treffen um ihren ersten eigenen Gelbbauchunken-Biotope an geeigneten Standorten anzulegen.

Text und Fotos: Viktoria Abbt